Giovanni Battista Caracciolo, genannt Battistello
Kinderkopf,
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Giovanni Battista Caracciolo, genannt Battistello

Kinderkopf,

Giovanni Battista Caracciolo, genannt Battistello

Kinderkopf

Die Kenntnis von Caracciolos Zeichenkunst ist aufgrund großer Verluste gering. So ist etwa von einem durch de Dominici dokumentierten Band mit sorgfältig eingeklebten Zeichnungen nach der Galleria Farnese nichts mehr nachweisbar.(Anm.1) Die vorliegende Zeichnung weist Caracciolo als exakten Beobachter von Licht und Schatten aus. Die sehr plastische Modellierung des Kopfes wird vornehmlich durch die Verwendung von Parallel- und Kreuzschraffuren erzielt. Auf Lavierung wird gänzlich verzichtet.
Die Zuschreibung der Zeichnung an Caracciolo geht offensichtlich auf den belgischen Sammler Mouriau (nachweisbar Mitte 19. Jh.) zurück. Sie wurde in der Kunsthalle stets beibehalten, obgleich zunächst durch eine anonyme Kartonnotiz und anschließend durch Philip Pouncey Zweifel an ihr geäußert worden sind.(Anm.2) Pouncey zog Bartolommeo Passerotti in Betracht. Zwar haben dieser und Caracciolo eine Vorliebe für Parallel- und Kreuzschraffuren gemein, doch ist die Zeichentechnik des Neapolitaners deutlich feiner und die Linienführung präziser.
Walter Vitzthum, der das Blatt 1971 nachdrücklich Caracciolo zuschrieb, führte diese Qualitäten auf dessen intensive Auseinandersetzung mit druckgraphischen Techniken zurück.(Anm.3)
Sehr gut vergleichbar mit dem Kinderkopf der Hamburger Zeichnung ist ein von oben gesehener Jungenkopf, dessen Gesicht und Haare eine ebenso feine Parallel- und Kreuzschraffur aufweisen.(Anm.4) Weitere Zeichnungen Caracciolos in dieser Technik wurden u. a. von Vitzthum 1966 (Anm. 5) und 1967 (Anm. 6) sowie Moir 1993 (Anm. 7) publiziert.
Die Blätter dieser Gruppe lassen sich bislang nicht überzeugend mit Gemälden in Verbindung bringen. Es hat demnach den Anschein, dass der Künstler seine Gemälde überwiegend, wenn nicht ausschließlich, mit Kreide und nicht mit Federzeichnungen vorbereitet hat.
Ob die ligierte Buchstabenfolge „CB“ als Caracciolo Battistello aufzulösen ist, muss offen bleiben. Sicher handelt es sich nicht um eine eigenhändige Signatur, da sie z. B. auf den Stockholmer Zeichnungen des Künstlers nicht nachweisbar ist.(Anm.8)

David Klemm

1 Hamburger Kunsthalle, 2. erw. Aufl., hrsg. v. Werner Hofmann, München 1989, S. 208 (Beitrag Eckhard Schaar).
2 Notiz auf der Karteikarte des Museums.
3 „Per capire la precisione lineare di Caracciolo si dovrebbe ricordare che l’artista sperimentò nel campo dell’incisione.“ Vgl. Walter Vitzthum: Il barocco a napoli e nell’italia meridionale, hrsg. v. Walter Vitzthum, I Disegni Dei Maestri, Bd. 9, Mailand 1971, S. 87.
4 Italian Drawings. Umbria, Rome, Naples. Drawings in Swedish Public Collections 6, Nationalmuseum Stockholm, bearb. v. Per Bjurström, Börje Magnusson, Stockholm 1998, o. S., Nr. 869, mit Abb.
5 Disegni napoletani del Sei e del Settecento nel Museo di Capodimonte, hrsg. v. Walter Vitzthum, Ausst.-Kat. Neapel, Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte, Neapel 1966, S. 11, Kat.-Nrn. 4, 6 und 7.
6 Florenz, Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi, Inv.-Nrn. 6760 S; 6761 S; vgl. Cento Disegni Napolitani, Sec. XVI-XVIII, bearb. v. Walter Vitzthum, unter Mitarbeit von Anna Maria Petrioli, Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi XXVI, Florenz, Gabinetto Disegni e Stampe degli Uffizi, Florenz 1967, S. 18, Nr. 6–7.
7 Moir 1993.
8 Stockholm, Nationalmuseum, Inv.-Nr. NM 845/869; vgl.Italian Drawings. Umbria, Rome, Naples. Drawings in Swedish Public Collections 6, Nationalmuseum Stockholm, bearb. v. Per Bjurström, Börje Magnusson, Stockholm 1998, o. S., o. S., Nr. 845–869.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Unten links bezeichnet: "CB." oder "GB" (ligiert, Feder in Dunkelbraun?); unten rechts bezeichnet: "CR" (ligiert, Feder in Dunkelbraun?); unten links: Stempel der Sammlung Mouriau (L. 1853); oben links drei Hügel, oberhalb davon Kugel [?], Sterne[?] (Pinsel); auf dem Verso unten links: Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1328)

Provenienz

A. Mouriau (1. H. 19. Jh.), Belgien (L. 1853); erworben vom Kunstmakler Christian Meyer (1811-1886), Hamburg (nicht bei Lugt), von diesem verkauft am 15.03.1866 an die „Städtische Gallerie“ Hamburg (Hamburger Kunsthalle, Archiv, Eingangsbuch „Inventarium der hamburgischen städtischen öffentlichen Gemälde Gallerie“, S. 78, Nr. 31 als „Gio. Battista Carccioli“), übergegangen 1869 in den Besitz der Kunsthalle.

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.126, Nr.119

David Klemm: Von Leonardo bis Piranesi. Italienische Zeichnungen von 1450 bis 1800 aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, hrsg. von Hubertus Gaßner, David Klemm und Andreas Stolzenburg, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Bremen 2008, S.140-141, Abb, S. 230, Nr.63

Stefano Causa: Battistello Carracciolo. L’opera completa, Neapel 2000, S.154, Nr.G 36

Suzanne Folds McCullagh, Laura M. Giles: Italian Drawings before 1600 in the Art Institute of Chicago, Ausst.-Kat. Chicago 1997, S.180, Nr.bei Nr. 234

Hamburger Kunsthalle, hrsg. von Werner Hofmann, München 1989 (2. erw. Aufl.), S.208, Nr.463

Hamburger Kunsthalle, hrsg. von Werner Hofmann, München 1985, S.192, Nr.427

Walter Vitzthum: il barocco a napoli e nell'italia meridionale, hrsg. von Walter Vitzthum, I Disegni Dei Maestri, Bd. 9, Mailand 1971, S.87, Nr.4, Abb.65

Catalogue de la riche Collection de dessins anciens, composant le Cabinet de M. A. Mouriau, ancien Capitaine au service de Belgique, 11./12.3.1858, M. Delbergue-Cormont, Paris, Hotel des Commissaires-Priseurs 1858, S.13, Nr.63