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Klasse Gesellschaft

Alltag im Blick niederlÀndischer Meister. Mit Lars Eidinger und Stefan Marx

Mit KLASSE GESELLSCHAFT widmet die Hamburger Kunsthalle einem Kapitel einer der facettenreichsten Epochen der europĂ€ischen Kunstgeschichte – der Kunst des hollĂ€ndischen und flĂ€mischen 17. Jahrhunderts – und ihren renommiertesten Vertretern eine umfassende Ausstellung, in der die beiden zeitgenössischen KĂŒnstler Lars Eidinger (*1976) und Stefan Marx (*1979) die Themen und Motive der Alten Meister mit neuen Arbeiten reflektieren. Ausgangspunkt der mit rund 200 Werken groß angelegten Schau ist der hochkarĂ€tige Bestand der Hamburger Kunsthalle an Genremalerei niederlĂ€ndischer und flĂ€mischer Meister, der einen Schwerpunkt des Sammlungsbereiches Alte Meister der Kunsthalle bildet. Die GemĂ€lde werden um Zeichnungen und druckgraphische Arbeiten aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle ebenso ergĂ€nzt wie um ca. 80 bedeutende Leihgaben, unter anderem aus dem Metropolitan Museum New York und der Eremitage St. Petersburg sowie aus großen europĂ€ischen Museen wie dem Rijksmuseum Amsterdam, dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza Madrid, dem Kunsthistorischen Museum Wien, dem Nationalmuseum Stockholm, dem Kunstmuseum Basel und der Bayerischen StaatsgemĂ€ldesammlungen MĂŒnchen. Rund ein weiteres Drittel der ausgestellten Arbeiten stammt von dem KĂŒnstler Stefan Marx, der eigens fĂŒr die Ausstellung Schriftbilder realisiert hat und von Lars Eidinger, von dem Fotografien und Videoarbeiten prĂ€sentiert werden.


Die Malerei erlebte im 17. Jahrhundert in den Niederlanden im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung einen großen Aufschwung. Dabei erfuhr die Genremalerei aufgrund ihrer sehr realitĂ€tsnah wirkenden Darstellungen bei wohlhabenden BĂŒrger*innen und Kaufleuten eine hohe WertschĂ€tzung. Äußerst beliebt unter den gemalten Alltagsszenen waren die eleganten, atmosphĂ€rischen Interieurs und familiĂ€ren Szenen der Delfter Feinmaler um Pieter de Hooch (1629–1684) – von dem allein 20 GemĂ€lde prĂ€sentiert werden. Ebenso populĂ€r waren die ĂŒberspitzten, ironischen Schilderungen des bĂ€uerlichen Milieus und zĂŒgellosen Treibens der einfachen Leute, wie sie der niederlĂ€ndische KĂŒnstler Jan Steen (1626–um 1679) aber auch die Flamen David Teniers d. J. (1610–1690) sowie Adriaen Brouwer (1605/06–vor 1638) malten. In acht Kapiteln entfaltet die Ausstellung einen Rundgang von der Darstellung der Frau und dem Motiv des Briefschreibens und –empfangens, ĂŒber die feiernden, trinkenden und rauchenden Bauern sowie die sozialen Ungleichheiten und das Thema Spiele und Zeitvertreib bis zu den Wissenschaftlern und Quacksalbern sowie den WinterstĂŒcken.

Teilweise eingewoben bzw. in eigenen, in den Rundgang integrierten Bereichen sind Fotografien und Videoarbeiten von Lars Eidinger und Schriftbilder von Stefan Marx. Eidinger hat eine ganz eigene AffinitĂ€t zur Kunst der Alten Meister, mit der er sich bereits u.a. in Theaterarbeiten beschĂ€ftigt hat. Seine Motive spiegeln das alltĂ€gliche Leben: Es sind lebendige und tiefsinnige, teilweise humorvolle Bilder, die sich offenbaren. Scheinbar banale Alltagsszenen, die sich bei nĂ€herem Hinsehen als vielschichtige Beobachtungen der Wirklichkeit herausstellen, die das vermeintlich NebensĂ€chliche in den Mittelpunkt rĂŒcken. Ohne zu moralisieren, sind seine Fotografien Kommentare und bringen uns dazu, genau hinzuschauen und uns und unser Handeln in Frage zu stellen. Den Sprachbildern von Stefan Marx gelingt es durch ihre grundsĂ€tzliche Offenheit und AllgemeingĂŒltigkeit, neue Perspektiven in der Auseinandersetzung mit den niederlĂ€ndischen Genreszenen zu erschließen. Er kommentiert die Darstellungen. Durch diese zugespitzte GegenĂŒberstellung entsteht eine spannungsvolle Wechselwirkung: die ĂŒberraschend ungebrochene AktualitĂ€t der Alten Meister wird erfahrbar – die dargestellten Figuren erscheinen lebendig.

Dem hĂ€ufigen Vorurteil, dass die Kunst der Alten Meister und ihr Entstehungskontext nur wenig mit den komplexen ZusammenhĂ€ngen und Themen von heute zu tun hat, möchte KLASSE GESELLSCHAFT mit Querverweisen zwischen den Darstellungen des 17. Jahrhunderts und den aktuellen gesellschaftskritischen Fragestellungen des 21. Jahrhunderts entgegenwirken. Durch die vermeintlich ungewöhnliche GegenĂŒberstellung von scheinbar ganz andersartigen kĂŒnstlerischen Positionen von Eidinger und Marx entsteht ein
grĂ¶ĂŸerer Kontext und ein spannender Dialog, der neue Sichtweisen auf die Kunst ermöglicht. Der Ausstellungstitel ist als Wortspiel zu verstehen, das einerseits als positiver Ausspruch erscheint, aber zugleich die Klassengesellschaft impliziert und auf Klassenunterschiede verweist. Alle ausgestellten Werke sind unmittelbar mit der Gesellschaft verwoben: Die KĂŒnstler des 17. Jahrhunderts verarbeiteten ihre Momentaufnahmen mit ihrer Fantasie – angereichert in Bildern, Zeichnungen und Druckgraphiken. Lars Eidinger hĂ€lt seine alltĂ€glichen Beobachtungen in Fotografien und Videoarbeiten fest. Stefan Marx verbindet das Gesehene und Gehörte mit Musikzitaten und ĂŒbertrĂ€gt es in Schriftbilder. So liefern alle vertretenen KĂŒnstler mit Blicken auf die Gesellschaft ein visuelles Zeugnis der Welt, in der sie lebten oder leben. KLASSE GESELLSCHAFT spannt damit einen ungewöhnlich neuartigen Bogen vom 17. Jahrhundert in die heutige Zeit, deckt ĂŒberraschende Parallelen auf und stĂ¶ĂŸt eine Diskussion kontroverser Themen an.

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, der neben zahlreichen Essays von renommierten Expert*innen auch Interviews mit Lars Eidinger und Stefan Marx beinhaltet. Begleitend wird zudem ein KĂŒnstlerheft von Stefan Marx veröffentlicht (3 Euro), in dem er zeichnerisch und humorvoll auf Bilder der Alten Meister reagiert und diese damit »zum Sprechen bringt«. Ein Audioguide stellt an rund 30 Stationen historische, soziale und politische HintergrĂŒnde sowie Entstehungsgeschichten zu ausgewĂ€hlten Werken, Provenienzen und Verweise auf kunsttechnologische Besonderheiten bereit. Ein animierter Film stellt neben Einblicken in die Ausstellung auch die KĂŒnstler in kurzen PortrĂ€ts vor und bettet sie in den grĂ¶ĂŸeren historischen Kontext ihrer Zeit ein.

Gefördert von: Behörde fĂŒr Kultur und Medien Hamburg, Hubertus Wald Stiftung, Dorit & Alexander Otto Stiftung, Kulturstiftung der LĂ€nder, Ernst von Siemens Kunststiftung, Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin
Medienpartner der Ausstellung: ARTE

FĂŒhrungen zu Ausstellungen / Klasse Gesellschaft

Ausgebucht: Öffentliche FĂŒhrung - 2G+-Veranstaltung

Mit Dorith Will

Wir nehmen Sie wieder mit auf eine Tour durch unsere Ausstellungen vor Ort!
Dorith Will wird am Samstag, den 29.01.2022, von 14.30 bis 15.30 Uhr eine EinfĂŒhrung in die Ausstellung »Klasse Gesellschaft« geben.

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FĂŒhrungen zu Ausstellungen / Klasse Gesellschaft

Öffentliche FĂŒhrung - 2G+-Veranstaltung

Mit Prof. Dr. Susanne König

Wir nehmen Sie wieder mit auf eine Tour durch unsere Ausstellungen vor Ort!
Prof. Dr. Susanne König wird am Sonntag, den 23.1.2022 von 15-16 Uhr eine EinfĂŒhrung in die Ausstellung »Klasse Gesellschaft« geben.

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FĂŒhrungen zu Ausstellungen / Klasse Gesellschaft

Öffentliche FĂŒhrung - 2G+-Veranstaltung

Mit Stefanie Reimers

Wir nehmen Sie wieder mit auf eine Tour durch unsere Ausstellungen vor Ort! Stefanie Reimers wird am Samstag, d. 12.02.2022, von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr eine EinfĂŒhrung in die Ausstellung »Klasse Gesellschaft« geben. Mit »Klasse Gesellschaft.

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Klasse Gesellschaft. Alltag im Blick niederlÀndischer Meister

Film zu REMBRANDTS ZEITALTER: KUNST, MARKT UND GESCHÄFT

So, 16. Jan 2022, 16:50 Uhr auf ARTE in 6 Sprachen
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