THIS IS THE MODERN WORLD
Presseinformation
Durchbrüche in der Kunst 1900–1960
Kurator
Toby Kamps (Leitung & Ausstellungskurator Moderne)
Wissenschaftliche Volontärin
Angelina Isaak
Pressetermin
Donnerstag, 3. September 2026, um 11 Uhr
Eröffnung
Donnerstag, 3. September 2026, um 19 Uhr
Mit This IS THE MODERN WORLD. Durchbrüche in der Kunst 1900–1960 zeigt die Hamburger Kunsthalle eine Neuinterpretation ihrer Sammlung Moderne, die zu den bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland zählt. Anhand von über 150 ausgewählten Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Zeichnungen – darunter bekannte Highlights und besondere Neuzugänge – verdeutlicht die Präsentation die Fülle an neuen Ideen und Ansätzen sowie den Bruch mit bestehen-den Traditionen in der Kunst dieser sechs Dekaden, die von außergewöhnlichen Umwälzungen in Kultur und Gesellschaft geprägt war. Vermittelt wird die Vielgestaltigkeit der Ansätze innerhalb der verschiedenen Strömungen der Moderne. Dazu zählen ikonische Werke des Expressionismus wie von den Künstlergruppen Brücke und Der Blaue Reiter mit Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky, so-wie von Maler*innen der École de Paris wie Georges Braque und Pablo Picasso. Zu sehen sind Positionen der Pionier*innen der frühen Moderne wie Edvard Munch, Paula Modersohn-Becker, Lovis Corinth, Max Beckmann und Anita Rée. Ebenfalls vertreten sind Beispiele der Abstraktion zwischen den Weltkriegen unter anderem von Sophie Taeuber-Arp, des Surrealismus von René Magritte, der Neuen Sachlichkeit von Christian Schad sowie des Informel der Nachkriegszeit von Wols.
Die Neuhängung zur Moderne umfasst zehn umgestaltete Räume innerhalb des Museumsrundgangs durch acht Jahrhunderte Kunst. Die chronologische Präsentation wird durch zeit- und ortsübergreifende thematische Gruppierungen von Werken bereichert, die neue Zugänge zu dieser revolutionären Zeit ermöglichen. Die Arbeiten thematisieren neue Stile von Abstraktion und Darstellung sowie sich wandelnde Verständnisse von Natur und Technik, Gesellschaft und menschlicher Existenz, beeinflusst von Psychologie, Philosophie und Politik – einschließlich der NS-Ideologie. Eine Galerie zu Hamburger Künstler*innen ergänzt die internationale Moderne um regionale Perspektiven – etwa mit Hafen- und Stadtansichten. Im Verlauf der Schau bieten wechselnd präsentierte Zeichnungen und Drucke des Kupferstichkabinetts nähere Einblicke in Arbeitsmethoden der Künstler*innen.
Als Highlight werden jüngste Schenkungen und bedeutende Neuerwerbungen, wie unter anderem das 2025 erworbene Schlüsselwerk des Surrealisten René Magritte Le palais de rideaux (Der Palast der Vorhänge), 1928, präsentiert. Max Beckmann (1884–1950) und Anita Rée (1885–1933) dienen als Leitfiguren der Ausstellung, mit zusammen rund 20 vertretenen Werken. Die zwei Zeitgenoss*innen gelten durch ihre stetige formale Weiterentwicklung und ihre provokanten Ideen als Paradebeispiele moderner Künstler*innen. Von Beckmann wird unter anderem die bisher teuerste Erwerbung in der Geschichte der Hamburger Kunsthalle gezeigt: Selbstbildnis Florenz (1907) mit dem jungen Künstler, als er noch am Anfang eines Prozesses der Selbstinszenierung stand, die in seiner Karriere vielfältige Formen annahm. In einer räumlich direkten Gegenüberstellung blickt Rée zu Beckmann, durch ihr Selbstbildnis in Hittfeld (1904), aus der ebenso anfänglichen Karrierezeit, als sie Malunterricht in der Nähe ihrer Heimatstadt Hamburg nahm. Diese Werke werden mit einer ganzen Reihe weiterer auffällig divergenter Porträts zusammengebracht, die kompakt gehängt an einer Ausstellungswand ein dichtes Tableau vielfältiger Geschichten aus dem Leben bedeutender moderner Meister*innen erzählen. Dazu gehört unter anderem Karl Kluths Selbst mit Melone (1924), das den Künstler als zerzausten Bohemien an seiner Staffelei mit einer lässig getragenen Melone zeigt.
Das Begleit- und Vermittlungsprogramm umfasst neben verschiedenen Gruppen-Führungsformaten auch Audiotouren auf Deutsch und Englisch, in Leichter Sprache sowie eine Tour für Neugierige ab 8 Jahren. Zu ausgewählten Kunstwerken bieten zudem Werk- und Herkunftstexte weitere Informationen vor Ort in der Schau. Eine Kindercomic-Veranstaltung (13. September) präsentiert das aktuelle Buch von Andrea Offermann mit der wahren Geschichte von Wilhelm Werner, der als Hausmeister der Kunsthalle »entartete Kunst« bzw. Gemälde vor dem Zugriff durch die Nationalsozialisten rettete, die heute Teil der Präsentation sind. Die Abendveranstaltung SALON X THIS IS THE MODERN WORLD (26. November) für (junge) Erwachsene bringt neue Impulse mit Live-Musik, Performances und queeren Perspektiven ein. Im Frühjahr 2027 erscheint eine Publikation zu ausgewählten Werken der Sammlung Moderne im Rahmen der Kleinen Reihe – erhältlich im Museumsshop oder über www.freunde-der-kunsthalle.de.
Erstmalig präsentiert die Hamburger Kunsthalle mit This Is The Modern World die »Moderne« nicht mehr unter dem Etikett »Klassische Moderne«, mit der üblicherweise Kunst zwischen 1900 und 1960 von den nachfolgenden »zeitgenössischen« Werken in Museen unterschieden wird. Dies weist zudem auf die zukünftige Ausrichtung hin, die sich mehr einer globalen Geschichte der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet und sich von dem bisher überwiegend europäischen Fokus löst.
Das Engagement der Hamburger Kunsthalle für die Sammlung »Moderne« besteht seit der Eröffnung 1869. Vor allem der zweite Direktor Gustav Pauli sammelte ab 1914 in größerem Umfang Werke moderner Künstler*innen, sicherte dem Museum damit eine Reihe zentraler Arbeiten und etablierte feste Säle für ihre Präsentation. Wegen seines Engagements wurde er im September 1933 von den Nationalsozialisten entlassen – 1937 ging dem Haus fast der gesamte Bestand an moderner Malerei durch die Beschlagnahmung verloren. Carl Georg Heise (ab 1945) unternahm große Anstrengungen, um diesen schweren Verlust mit Erwerbungen auszugleichen und die ehemals verfemte Kunst zu rehabilitieren. Den Wiederaufbau der Sammlung Moderne setzte Alfred Hentzen ab 1955 fort und ergänzte Werke, die die Entwicklungen der Nachkriegs-zeit widerspiegeln. Seit den 1970er Jahren erweitern Ankäufe, Schenkungen, Vermächtnisse und dauerhafte Leihgaben aus Privatbesitz weiterhin sukzessive den Werk-Bestand dieser bahnbrechenden Periode der Kunst.
Pressemitteilung
Gefördert von
Feierabend II, 1925
Tempera auf Rupfen, 200 x 140,5 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Der Palast der Vorhänge, 1928
Öl auf Leinwand, 81 x 116 cm
Erworben 2025, gemeinsames Eigentum Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, Hamburger Kunsthalle und Heinz H. O. Schröder Stiftung.
Die Erwerbung wurde zudem unterstützt von der Campe’schen Historischen Kunststiftung sowie Sabine und Michael R. Neumann.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
© SHK / Hamburger Kunsthalle /
ARTOTHEK
Foto: Christoph Irrgang
Diese Pressebilder stehen in druckfähiger Qualität im Online-Presseservice unter www.hamburger-kunsthalle.de zum Download bereit. © Veröffentlichung nur gestattet im Zusammenhang mit einer aktuellen redaktionellen Berichterstattung über die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Jede andere Nutzung ist nicht gestattet. Die Bilder dürfen nicht angeschnitten und/oder mit Schrift überschrieben werden.
Hinweis zur VG Bild-Kunst: Eine kostenfreie Veröffentlichung ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung über die Ausstellung ab 3 Monaten vor Beginn und bis 6 Wochen nach Ende der Ausstellung gestattet. Für die Verwendung in Social Media-Kanälen bedarf es einer gesonderten Klärung mit der VG Bild-Kunst.
Publication only allowed in connection with editorial reports of the exhibition. Any other use is not allowed.
The photos should not be cropped or overwritten with any form of text.
Note on VG Bild-Kunst: A free publication is only permitted within the scope of the reporting on the exhibition, from 3 months before the exhibition starts and until 6 weeks after the ending. For use in social media channels it requires a separate clarification with the VG Bild-Kunst.
Bildnis Hildegard Heise, 1927
Öl auf Leinwand, 40,6 x 35,6 cm
Hamburger Kunsthalle
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
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Doll Boy, 1960/61
Öl auf Sackleinwand
122 x 99 cm
Erworben 1975 für die Kunsthalle von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 © SHK / Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK Foto: Christoph Irrgang
Alte Moorbäuerin, 1913
Öl auf Leinwand, 77 x 57 cm
Hamburger Kunsthalle, erworben
1920, beschlagnahmt durch die
Kommission für »Entartete Kunst«
1937, erneut erworben 1951
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Mann und Frau, 1933
Wachs auf Papier, aufgezogen auf
Sperrholz, 97,5 x 117 cm
Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger
Kunstsammlungen
© SHK / Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
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Feierabend, 1921
Öl auf Leinwand, 134,5 x 100,5 cm
Hamburger Kunsthalle, erworben
mit Mitteln der Camp'schen Historischen Kunststiftung, 2025
© Michael Wunder / Hamburger
Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Christoph Irrgang
Bildnis Egon Erwin Kisch, 1928
Öl auf Leinwand, 90,5 x 61,5 cm
Hamburger Kunsthalle, erworben 1971
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Eva im irdischen Paradies, um 1906/07
Öl auf Leinwand, 62 x 46 cm
Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger
Kunstsammlungen
© SHK / Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
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Der Radfahrer, 1951
Öl auf Leinwand, 101,6 x 50,8 cm
Hamburger Kunsthalle, erworben
mit Mitteln der Camp'schen Historischen Kunststiftung, 1970
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Junge mit Spielzeug, 1916
Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm
Erworben 2025 für die Kunsthalle
von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen
© SHK / Hamburger Kunsthalle /
ARTOTHEK
Foto: Christoph Irrgang
Spülstein I, 1929
Öl auf Malpappe, 95 x 64,5 cm
Hamburger Kunsthalle
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
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(1886–1930)
Zwei Akte mit Mondsichel, 1919
Öl auf Leinwand, 129,2 x 76,7 cm
Erworben 2017 für die Kunsthalle
von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen
© SHK / Hamburger Kunsthalle /
ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Maler und Modell, 1910 (überarbeitet 1926)
Öl auf Leinwand, 150,4 x 100 cm
Hamburger Kunsthalle, Geschenk
von Ernesto Blohm, Caracas/Venezuela, in Erinnerung an seine Mutter
Magdalene Blohm, 1952
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford
Odysseus und Kalypso, 1943
Öl auf Leinwand, 150 x 115,5 cm
Hamburger Kunsthalle, erworben 1949
© Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK
Foto: Elke Walford