Ein Leben für Hamburg
Oscar Troplowitz

18. Januar bis 30. Juni 2013

Zur Person Oscar Troplowitz

 

Oscar Troplowitz, 1890
Abbildung: Oscar Troplowitz, 1890
Unbekannter Fotograf, © CBH Archive, Beiersdorf AG, Hamburg

Im Zentrum dieser Ausstellung steht Oscar Troplowitz. 1890 kam er nach Hamburg und hat sich auf vielfältige Weise um die Stadt verdient gemacht.
Als genialer Erfinder und Unternehmer verhalf er um 1900 Marken wie Nivea, Tesa, Leukoplast oder Labello zum Durchbruch. Der diskret auftretende Mäzen förderte neben sozialen Einrichtungen auch junge Künstler. 1920 vermachte das Ehepaar Troplowitz der Hamburger Kunsthalle eine bedeutende Kunstsammlung. Es handelt sich dabei vor allem um Gemälde des Impressionismus, unter denen einige Höhepunkte der heutigen Sammlung zu finden sind (so z.B. Madame Hériot (1882) von Pierre-Auguste Renoir, Max Liebermanns Eva (1882), Die Seine bei Billancourt (1879) von Alfred Sisley).
In Dankbarkeit für diese herausragende Schenkung und anlässlich seines 150. Geburtstags gilt es, Oscar Troplowitz neu zu begegnen – dem sozialen Unternehmer, dem Politiker, dem Architekturliebhaber und leidenschaftlichen Kunstsammler.

Die Werbestrategien des innovativen
Unternehmers Oscar Troplowitz

Plakatkunst


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Abbildung: Hans Rudi Erdt (1883 – 1925) Plakat für Nivea-Puder
Druck: Hollerbaum & Schmidt, Berlin/Vertreter: Labin & Koppel, Hamburg, 1915
Lithographie, 56,5 x 42 cm, CBH Archive, Beiersdorf AG, Hamburg
© CBH Archive, Beiersdorf AG, Hamburg Photo: Christoph Irrgang

 

Für die Gestaltung der Reklameplakate im Innen- und Außenraum engagierte Oscar Troplowitz von 1912 an die führende Berliner Werbeagentur Hollerbaum & Schmidt, die unter der Leitung von Ernst Growald maßgeblich am Durchbruch des modernen „Sachplakats" beteiligt war.
Die von Troplowitz unter Vertrag genommene Graphikdesigner wie Hans Rudi Erdt, Lucian Bernhard und Joe Loe entwickelten eine schnörkellose, auf das Wesentliche reduzierte Plakatsprache. Klare Motive, ein Minimum an Schrift, fette Typographie und starke Farben sorgten für Aufmerksamkeit beim Betrachter. Bis heute ist ihr Einfluss auf das Markendesign von Nivea unverkennbar.
Der Einsatz von Werbefilmen: »Lebende Plakate«

Werbestummfilm Der Zahnteufel, 1915

Abbildung: Werbestummfilm Der Zahnteufel, 1915 Zeichentrick, Farbe (Tonung, Virage) Produktion: Pinschewer-Film, Berlin Regie: Julius Pinschewer
Zeichner: Harry Jaeger Im Auftrag der Firma P. Beiersdorf & Co., Hamburg © AG Loiperdinger + Pinschewer

Julius Pinschewer (1883–1961) war ein deutscher Filmproduzent und Pionier des Werbefilms, den er 1910 zum Patent anmeldete. 1912 gründete er ein Unternehmen, das sich auf Filmreklame spezialisierte. Bereits 1913 erreichte er in 600 Kinos 58 Millionen Zuschauer jährlich.

Im Jahr 1915 produzierte Pinschewer einen der ersten nachweisbaren Werbestummfilme der Mediengeschichte in Zeichentricktechnik: Der Zahnteufel mit Zeichnungen von Harry Jaeger warb in deutschen Kinos vor der Wochenschau für die Pebeco-Zahnpasta der Firma Beiersdorf. Mit Eulalias Verjüngung folgte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine erneute Zusammenarbeit von Pinschewer und Jaeger, nun jedoch für die Marke Nivea. Das Geheimnis der Marquise ist ein früher Silhouettenfilm zur Nivea-Reklame, für den Pinschewer die Scherenschnitt-Künstlerin Lotte Reiniger engagierte. Der Reklamefilm bewegte sich in dieser Zeit in dem spannenden Feld zwischen Spiel- und Kunstfilm.

Oscar Troplowitz als sozialer Unternehmer

Oscar Troplowitz war ein Unternehmer, der den sozialen Ausgleich anstrebte. In seinem Unternehmen führte er bereits 1897 drei Tage bezahlten Urlaub ein, reduzierte die Arbeitsstunden von anfänglich noch 60 h zunächst auf 56 h bis schließlich 1912 auf 48 h. Weitere Sozialleistungen kamen hinzu, so z.B. eine betriebliche Unterstützungskasse bei Arbeitsausfällen, welche die gesetzliche Krankenversicherung von 1883/84 ergänzte. Das Einrichten einer betrieblichen Stillstube ermöglichte Frauen mit Kleinkindern weiterhin zu arbeiten. 1906 folgte die Einführung einer firmeneigenen Sparkasse für Angestellte. Seit 1912 führte Troplowitz für seine Angestellten ein kostenloses Mittagessen ein, welches bis heute als Tradition im Unternehmen Beiersdorf fortlebt.

Oscar Troplowitz und die Architektur

William Müller (1871 – 1913) Entwurf zur Villa Troplowitz, 1907
Abbildung: William Müller (1871 – 1913) Entwurf zur Villa Troplowitz, 1907, Fassade zur Fernsicht
© Bezirksamt Hamburg-Nord Photo: Bezirksamt Hamburg-Nord

1907 beauftragte Troplowitz den jungen Berliner Architekten und Messel-Schüler William Müller (1871-1913) mit dem Entwurf einer repräsentativen Villa an der Hamburger Außenalster. Müller hatte mit dem zweiten Preis für das Bismarckdenkmal in Hamburg (1901) und mit dem radikal-modernen Entwurf eines Badezimmers (Berliner Kunstausstellung 1903) die Aufmerksamkeit des architekturinteressierten Unternehmers auf sich ziehen können. Selbstbewusst behauptet sich auch die diskrete, materialbetonte Formensprache der Villa gegen die vorherrschende lokale Bautradition. Der zurückhaltende Bauschmuck stammt vermutlich von dem Bildhauer Richard Guhr.

Als Mitglied der Baudeputation war Troplowitz beteiligt an der 1909 erfolgten Berufung des Architekten Fritz Schumacher als Hamburger Baudirektor. Mit Schumacher verband ihn bald nicht nur das Interesse an der Reformarchitektur, sondern auch eine private Freundschaft. Als Unterstützer des Stadtpark-Gedankens schenkte Troplowitz 1912 eine Figurengruppe von Arthur Bock, die in der Nähe der von Schumacher entworfenen Trinkhalle aufgestellt wurde. Nach dem Tod des Unternehmers 1918 entwarf Schumacher das Grabmal Troplowitz-Mankiewicz in Hamburg-Ohlsdorf – die einzige Arbeit, die seine Signatur trägt.

Sie Sammlung Troplowitz

 

Pierre-Auguste Renoir    (1841 –1919)   Madame Hériot, 1882

Abbildung: Pierre-Auguste Renoir (1841 –1919), Madame Hériot, 1882
Vermächtnis Oscar und Gertrud Troplowitz © Hamburger Kunsthalle/bpk Photo: Elke Walford

Alfred Sisley (1839 – 1899)  Die Seine bei Billancourt, 1879
Alfred Sisley (1839 - 1899), Die Seine bei Billancourt, 1879, Vermächtnis von Herrn Dr. Oskar Troplowitz und Frau Gertrud, geb. Mankiewicz, 1920, © Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford


Mit zunehmendem wirtschaftlichen Erfolg begann das Ehepaar Troplowitz in den 1890er-Jahren mit dem Aufbau seiner Kunstsammlung. Bis zum Tode von Gertrud Troplowitz im Jahr 1920 zählte diese über 200 Werke. Zwei Drittel davon nahmen graphische Arbeiten ein, etwa ein Drittel waren Gemälde, hinzu kamen wenige zeitgenössische Skulpturen.

Der Charakter der Sammlung ist stark geprägt von persönlichen Vorlieben, etwa für den Barock und die Kunst der Zeitgenossen. So bilden im Bereich der Druckgraphik herausragende französische und niederländische Stiche des 17. Jahrhunderts einen Schwerpunkt. Den großformatigen Kupferstich Gérard Edelincks schenkte Oscar Troplowitz der Hamburger Kunsthalle bereits 1915. Aus dem 19. Jahrhundert stechen Max Klingers feine Reproduktionen nach berühmten Gemälden Arnold Böcklins hervor.

Wie in der Druckgraphik ist auch für die Gemälde eine Vorliebe für den Barock und die zeitgenössische Kunst erkennbar. Der Maler Friedrich Ahlers-Hestermann begleitete das Ehepaar Troplowitz durch Pariser Galerien und beriet es hinsichtlich der modernen französischen Malerei. Weiteren Einfluss hatten die Direktoren der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark und Gustav Pauli. Im Laufe der Jahre erwarb Oscar Troplowitz zahlreiche Spitzenwerke, von denen 18 Werke nach dem Tod seiner Frau 1920 der Kunsthalle vermacht wurden. Dazu zählte auch Pablo Picassos Absinthtrinkerin (1902), das modernste Werk der Sammlung. Es wurde 1937 mit weiteren rund 1200 Zeichnungen, Radierungen und Skulpturen sowie 73 Gemälden als Entartete Kunst konfisziert. Eine Versteigerung oder Verkauf wurde jedoch bis 1941 durch das rechtliche Einschreiten der Erben Troplowitz' aus dem Ausland verhindert.
Othmar Huber, ein Augenarzt aus der Schweiz, erwarb schließlich das Gemälde. Nach seinem Tod im Jahr 1979 vermachte er Picassos Absinthtrinkerin dem Kunstmuseum Bern, wo sie bis heute zu sehen ist.