Galerie Klassische Moderne

Galerie der klassischen Moderne


Bitte beachten Sie: Die Sammlungsbestände der Hamburger Kunsthalle sind im Juli 2014 wegen der anstehenden Modernisierung leider nicht zu sehen. Wir um Verständnis! Freuen Sie sich auf unsere Highlight-Präsentation SPOT ON, die wir vom 1. August 2014 bis 3. Januar 2016 auf knapp 2.000 Quadratmetern im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart präsentieren werden.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahr 2006 sind die schönsten und beliebtesten Werke der Klassischen Moderne in neuer Hängung in ihren ursprünglichen Räumen im Gründungsbau zu sehen.
Einen Schwerpunkt der Neuhängung bilden neue Leihgaben aus Privatbesitz und das von den Freunden der Kunsthalle neu erworbene Selbstportrait Halbaktmit Feigenkaktus von Anita Rée, die zu neuen Sichtweisen auf die Klassische Moderne einladen.

Nur einige Namen seien aus der Abteilung der klassischen Moderne genannt: Max Beckmann und Oskar Kokoschka, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer, die Werkgruppen der Künstler der "Brücke" und des "Blauen Reiter" (Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Franz Marc).

Die Abteilung „Klassische Moderne" in der Hamburger Kunsthalle zählt zu den profiliertesten und bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Nach den Verlusten durch die Aktion „Entartete Kunst" der Nationalsozialisten im Jahr 1937 waren alle Kunsthallendirektoren nach 1945 bestrebt, diese Sammlung wieder aufzubauen, zu erweitern und zu präsentieren. Vielfalt und Konzentration bestimmen diese Abteilung, die die Zeitspanne von 1900 bis ca. 1960 umfasst.

Am Anfang steht eine umfangreiche Gruppe von Gemälden von Lovis Corinth. Sein Werk wird von den realistischen Anfängen bis zum malerischen Spätwerk eindrucksvoll mit Hauptwerken wie Der Putztisch oder Flora dokumentiert. Ebenfalls mit malerischen Glanzstücken ist der Norweger Edvard Munch in der Sammlung präsent: Eine Version seiner berühmten Madonna sowie Drei Mädchen auf der Brücke sind nur zwei Höhepunkte in einer ganzen Gruppe von Gemälden des Künstlers. Das Werk des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck wird in einem eigenen Saal präsentiert. Insgesamt sieben Werke, allesamt frühe Terrakotten, geben einen Überblick über dieses plastische Werk der Jahre von 1910 bis 1918, dem Jahr vor dem Tod des Künstlers.

Ein weiterer gewichtiger Schwerpunkt der Sammlung sind die Gemälde der „Brücke"-Künstler, vor allem von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde. Kirchners Gutshof Staberhof, entstanden auf der Insel Fehmarn, sein Selbstbildnis mit Modell oder das in den frühen Jahren in Davos entstandene Selbstbildnis Das Wohnzimmer sind herausragende Beispiele seiner Malerei, wie auch die in Norwegen entstandene Landschaft Lofthus und die im Hamburger Atelier gemalte Figurenkomposition Atelierpause von Schmidt-Rottluff. Von Nolde beherbergt die Sammlung u. a. ein frühes Hauptwerk seiner religiösen Bilder, das Triptychon Maria Aegyptiaca. Werke von Erich Heckel und Otto Mueller runden den Überblick über dieses wichtige Kapitel der deutschen Kunst ab.

Die Entwicklung der Malerei des „Blauen Reiter" wird an bedeutenden Einzelwerken von Franz Marc, Wassily Kandinsky, August Macke und Alexej Jawlensky dokumentiert. In der Nachbarschaft zu gleichzeitigen Werken französischer Künstler wird der Einfluss, den Künstler wie Pablo Picasso, George Rouault, André Derain oder Robert Delaunay auf die deutschen Künstler hatten, verdeutlicht. Picassos frühkubistisches Bildnis des Kunsthändlers Clovis Sagot oder Delaunays Eiffelturmdarstellung Fenster-Bild sind herausragende Werke innerhalb der Entwicklung der modernen Kunst.

Moderne Tendenzen zeigen auch die Werk von Künstlern, die seit der Gründung 1919 am „Bauhaus" in Weimar und später Dessau lehrten: Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Klees Revolution des Viaduct, Schlemmers Treppenszene und Feiningers Ostchor des Doms zu Halle sind Höhepunkte dieser Bewegung.

Vom Umfang her nicht groß, aber gewichtig ist die Gruppe von Gemälden der „Neuen Sachlichkeit": Christian Schads Bildnis des Reporters Egon Erwin Kisch, John, der Frauenmörder von George Grosz, das Selbstbildnis der Hamburger Künstlerin Anita Rée und die Mutter mit Kind von Otto Dix machen diesen neuen Realismus nach dem Ersten Weltkrieg deutlich.

Der Schritt in die Gegenstandslosigkeit dokumentiert sich in den Werken der vor allem deutschen und französischen Künstler, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg in der Gruppe „Abstraction – Creation" zusammenschlossen: Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp oder Man Ray. Diese Arbeiten, zusammen mit abstrakten Gemälden von Walter Dexel, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Karl Buchheister und Laszlo Moholy-Nagy, stehen für eine Entwicklung, die durch die politischen Ereignisse und den Zweiten Weltkrieg jäh abgebrochen wurde.

Auch ein künstlerischer Außenseiter wie Giorgio Morandi oder späte Werke von den Begründern der Moderne, Picasso, Marc Chagall verdeutlichen, dass die Sammlung „Klassische Moderne" die ganze Vielfalt der künstlerischen Moderne präsentiert.

Ulrich Luckhardt